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Nachhaltige Beschaffung im VuB-Netzwerk ...

für die öffentliche Verwaltung und gemeinnützige Organisationen

Seit über 10 Jahren tauschen sich Mitarbeiter verschiedenster öffentlicher Verwaltungen und nicht gewinnorientierter, gemeinnütziger Organisationen online im Verwaltungs- und Beschaffernetzwerk aus.

Autoren

Felix Blank, Jennifer Fischer und Prof. Dr. Ronald Bogaschewsky, seit 2001 Inhaber des Lehrstuhls für BWL und Industriebetriebslehre an der Uni Würzburg.

Das soziale Netzwerk der öffentlichen Verwaltung
Das VuBN stellt ähnliche Möglichkeiten der Interaktion zur Verfügung wie die bekannten Sozialen Netzwerke für den privaten Bereich. Entscheidender Unterschied: Im VuBN sind Nutzer- und alle weiteren Daten vertraulich und genügen höchsten Anforderungen in Sachen Datenschutz. Damit „bezahlt“ man die Nutzung auch nicht durch Zurverfügungstellung seiner Daten, sondern die Teilnahme ist komplett kostenlos! Mitglieder können im VuBN ein Profil anlegen und wissenswerte Informationen über sich, wie bspw. eigene Aufgaben-/Interessensgebiete einstellen. Zusätzlich können relevante Dokumente hochgeladen und anderen Mitgliedern persönlich oder innerhalb von Fachgruppen zur Verfügung gestellt werden. Die in den Fachgruppen aufgegriffenen Problemstellungen können diskutiert und Wissen geteilt werden. Dank der nachvollziehbaren Historie kann man jederzeit in bereits bestehende Gruppen und Diskussionen einsteigen oder nach Antworten auf seine Fragen suchen. Eine kleine Auswahl von Fachgruppen: Allgemeine Verwaltung, Bauhof, Bauwesen, Beschaffung, Energie- und Umweltmanagement, Finanzen, IT und E-Government.

Nachhaltige Beschaffung im VuB-Netzwerk

Neben Beschaffungsthemen, wie dem Austausch von Leistungsbeschreibungen oder konkreten Fragen zum Vergaberecht, ist auch die nachhaltige öffentliche Beschaffung ein Kernthema des Netzwerks. So sind beispielsweise in den Gruppen „Energie- und Umweltmanagement“ sowie „Umweltfreundliche Beschaffung“ bereits knapp 3.000 Mitglieder organisiert. Um den Nachhaltigkeitsgedanken weiter auszubauen, wurde das VuBN Teil des 2016 gestarteten, vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderten Projekts „Eine in der Breite verbesserte Zusammenarbeit von öffentlichen Auftraggebern und Anbieterunternehmen biobasierter Produkte in Deutschland“. Um den gegenseitigen Erfahrungsaustausch von Anbieterunternehmen biobasierter Produkte und öffentlichen Auftraggebern zu fördern, wurde im VuBN die „Expertengruppe Biobasierte Produkte“ gegründet. Wie die empirischen Ergebnisse der Studie zeigen, ist ein gegenseitiger Austausch zwingend notwendig, um die bestehenden Hinderungsgründe bei der Beschaffung biobasierter Produkte zu verringern.

Dafür mussten zunächst die Hürden, die einer biobasierten Beschaffung entgegenstehen – sowohl auf Seiten der öffentlichen Hand als auch bei Anbieterunternehmen – identifiziert werden. Die Ergebnisse zeigen diesbezüglich sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede zwischen den beiden Parteien. Anbieterunternehmen sehen vor allem die vergleichsweise zu hohen Einstandspreise ihrer biobasierten Produkte als wesentlich an (27,8 % bewerten diese mit „trifft zu“). Diese Einschätzung deckt sich mit den Antworten der öffentlichen Hand, die diese Hürde auch bewusst als solche wahrnehmen (32,4 % bewerten diese als zutreffend).

Daneben existieren Hürden, deren Bedeutung für die Beschaffung biobasierter Produkte von Anbieterunternehmen und öffentlichen Auftraggebern unterschiedlich bewertet werden. So ist für Anbieterunternehmen der vermeintlich mangelnde Wille der Verwaltungen biobasierte Produkte zu beschaffen, eine relevante Hürde (33,9 % bewerten diese mit „trifft zu“). Dahingegen sehen öffentliche Einrichtungen mangelnden Willen nicht als zutreffend an (9,8 % bewerten diese mit „trifft zu“). Die „Expertengruppe Biobasierte Produkte“ innerhalb des VuBN kann durch den direkten Austausch von Anbieterunternehmen biobasierter Produkte und öffentlicher Verwaltungen helfen, sich der gemeinsamen Hürden bewusst zu werden, die Unterschiede in der Wahrnehmung anderer Hürden zu verringern und so stetig zum Abbau der Hürden beizutragen.

Die Bedeutung der Möglichkeit der direkten Kontaktaufnahme innerhalb des Verwaltungs- und Beschaffernetzwerks bei der Förderung einer nachhaltigen Beschaffung wird durch die weiteren Ergebnisse der Umfrage unterstrichen. Neben den Hinderungsgründen beider Parteien wurden auch mögliche Maßnahmen zur Förderung der Zusammenarbeit, abgefragt. Hierbei zeigt sich, dass ein intensiverer Kontakt zwischen Anbieterunternehmen biobasierter Produkte und öffentlichen Auftraggebern erheblich zum Hürdenabbau beitragen kann (56,1 % bzw. 30,8 % bewerten die Wirksamkeit der Maßnahme zum Hürdenabbau als „hoch“ oder „sehr hoch“).

Auch 2019 wird das Thema Nachhaltigkeit und nachhaltige Beschaffung im VuBN eine wichtige Rolle spielen. So ist das Verwaltungs- und Beschaffernetzwerk Teil eines, vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit über den Projektträger des Umweltbundesamts, geförderten Projekts zum nachhaltigen Einsatz von Bioziden in Kommunen. Die Verwendung von Bioziden lässt sich bis heute aufgrund gesetzlicher Vorgaben wie beispielsweise bei der Trinkwasserversorgung oder in kommunalen Krankhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen oftmals nicht vollständig vermeiden. Daher müssen innerhalb des vergaberechtlichen Spielraums und unter Sicherstellung der Wirksamkeit der Mittel Möglichkeiten gefunden werden, die Umweltbelastungen durch den Biozideinsatz so gering wie möglich zu halten. Hierfür wurde innerhalb des Verwaltungs- und Beschaffernetzwerks die „Expertengruppe Biozide“ gegründet, in der Mitarbeiter öffentlicher Verwaltungen im Austausch miteinander stehen und gegenseitig Erfahrungen austauschen können.

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